Versicherungen für Studenten

Arbeitslosenversicherung

Eingeschriebene Studenten, die in Deutschland einer Beschäftigung nachgehen, kommen auch ziemlich schnell mit der Arbeitslosenversicherung als Zweig der gesetzlichen Sozialversicherung in Kontakt. In den meisten Fällen wird für Studenten keine Versicherungspflicht bestehen, wenn sie jedoch besonders viel arbeiten und entsprechend verdienen hingegen schon.

Arbeitslosenversicherung – auch Studenten kann es treffen

Werkstudentenprivileg als ordentlicher Studierender

So lange bei Vollzeit-Studenten das Studium (Erst-, Zweit- oder Aufbaustudium, nicht jedoch Promotionsstudium) im Vordergrund steht und sie in ihrem Erscheinungsbild nicht als Arbeitnehmer sondern (weiter) als ordentlicher Studierender gelten, besteht keine Versicherungspflicht in der sozialen Arbeitslosenversicherung, unabhängig von der Höhe ihres monatlichen Entgeltes.

Zeit und Arbeitskraft wird durch das Studium überwiegend in Anspruch genommen, wenn die Beschäftigung an nicht mehr als 20 Stunden in der Woche ausgeübt wird. Eine solche Beschäftigung kann unbefristet, also während der gesamten Studiendauer ausgeübt werden. Mehrere gleichzeitige Beschäftigungen und auch etwaige selbständige Tätigkeiten werden jedoch mitberücksichtigt.

Von der 20-Stunden-Grenze gibt es eine Ausnahme, wenn diese durch Beschäftigungen am Wochenende sowie in den Abend- und Nachtstunden überschritten wird, vorausgesetzt, dass Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden (Urteil des BSG vom 22.02.1980 – 12 RK 34/79 -, USK 8053). Vom Erscheinungsbild eines Studenten ist jedoch nicht mehr auszugehen, wenn eine derartige Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden ohne zeitliche Befristung ausgeübt wird oder auf einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen befristet ist; in diesen Fällen tritt die Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten in den Vordergrund.

Wird eine Beschäftigung lediglich in der vorlesungsfreien Zeit (Semesterferien) auf mehr als 20 Stunden ausgeweitet, so ist auch für diese Zeit grundsätzlich Versicherungsfreiheit anzunehmen.

Für Studenten gilt auch noch eine 26-Wochen-Grenze. Wenn ein Student im Laufe eines Jahres (nicht Kalenderjahr, sondern Zeitjahr, zurückgerechnet vom voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung) über 26 Wochen (182 Kalendertage) mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden beschäftigt ist, gehört er vom Erscheinungsbild zu den Arbeitnehmern. Es werden alle Beschäftigungsverhältnisse mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden berücksichtigt. Für die zu beurteilende Beschäftigung besteht bei Überschreiten der 26-Wochen-Grenze von Anfang an Versicherungspflicht in der Sozialversicherung und damit auch der Arbeitslosenversicherung.

Geringfügig entlohnte Beschäftigung

Studenten, die einem regulären 450 €-Minjob nachgehen, sind grundsätzlich in der Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Hier ergibt sich also die Versicherungsfreiheit in der Arbeitslosenversicherung nicht aufgrund des Werkstudentenprivilegs sondern aufgrund der Minijob-Regelungen. Werden gleichzeitig mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen (nicht berücksichtigt werden kurzfristige Beschäftigungen) ausgeübt und übersteigen die Entgelte zusammen die monatliche Grenze von 450 Euro, so ergibt sich Versicherungspflicht in allen Zweigen der Sozialversicherung, wenn das Werkstudentenprivileg nicht genutzt werden kann.

Kurzfristige Beschäftigung

Eine auf bis zu drei Monate oder 70 Arbeitstage in einem Kalenderjahr befristete Beschäftigung ist in allen Zweigen der Sozialversicherung versicherungsfrei, sofern sie nicht berufsmäßig sowie nicht dauerhaft oder regelmäßig wiederkehrend ausgeübt wird. Das gilt dementsprechend auch für die gesetzliche Arbeitslosenversicherung. Die Höhe des Verdienstes ist dabei unerheblich.

Bei der Prüfung, ob die Zeiträume von drei Monaten oder 70 Arbeitstagen innerhalb eines Kalenderjahres überschritten werden, sind die Zeiten mehrerer aufeinander folgender kurzfristiger Minijobs ohne Rücksicht auf die Höhe des Verdienstes zusammenzurechnen.

Bei einer Zusammenrechnung von mehreren Beschäftigungszeiten treten an die Stelle des Dreimonatszeitraums 90 Kalendertage. Dies gilt nicht, wenn es sich bei den einzelnen Beschäftigungen jeweils um volle Kalendermonate handelt. Sind bei einer Zusammenrechnung Zeiten, in denen die Beschäftigung regelmäßig an mindestens fünf Tagen in der Woche ausgeübt wurde, und Beschäftigungszeiten mit einer Arbeitszeit von weniger als fünf Tagen zu berücksichtigen, dann ist einheitlich von dem Zeitraum von 70 Arbeitstagen auszugehen.

Selbständig tätige Studenten

Studenten, die selbständig tätig sind, sind in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Sie können sich aber unter ganz bestimmten Voraussetzungen freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern.

Beitragssatz in der sozialen Arbeitslosenversicherung

Studenten, die mit ihrer Beschäftigung versicherungspflichtig in der sozialen Arbeitslosenversicherung sind, tragen als Arbeitnehmer zusammen mit ihrem Arbeitgeber je zur Hälfte den normalen Beitragssatz in Höhe von derzeit 3,0 Prozent des beitragspflichtigen Bruttoentgelts.

Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung

Im Rahmen der Arbeitslosenversicherung erbringt die Agentur für Arbeit Leistungen der aktiven Arbeitsförderung und Entgeltersatzleistungen (wie Arbeitslosengeld, Teilarbeitslosengeld, Übergangsgeld, (Saison-)Kurzarbeitergeld oder Insolvenzgeld). Es handelt sich dabei nicht ausschließlich um Versicherungsleistungen, denn auch Nicht-Versicherte können bestimmte Leistungen erhalten.

Zeiten des Bezugs von Entgeltersatzleistungen werden rentenrechtlich als Beitragszeiten berücksichtigt.

Arbeitslosengeld als Student

Anspruch auf Arbeitslosengeld hat gemäß § 137 SGB III, wer arbeitslos ist, sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und die Anwartschaftszeit erfüllt hat.

Grundsätzlich ist man auch als Student nicht arbeitslos, da man dem Arbeitsmarkt nicht voll zur Verfügung steht. Dies kann durch die Vorschrift des § 139 Abs. 2 SGB III überwunden werden. Der Arbeitsagentur ist allerdings nachzuweisen, dass die Arbeitnehmertätigkeit im Vordergrund steht und das Studium nebenher betrieben werden soll und dies auch möglich ist. Konkret muss der Studiengang die Ausübung einer versicherungspflichtigen, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassenden Beschäftigung bei ordnungsgemäßer Erfüllung der in den Ausbildungs- und Prüfungsbestimmungen vorgeschriebenen Anforderungen zulassen.