Versicherungen für Studenten

Steuererklärung als Student

Letzte Aktualisierung am 02.01.2018 von admin

Die Anfertigung und Abgabe einer Steuererklärung ist für jeden Studenten empfehlenswert – aufgrund des sogenannten Verlustvortrags sogar bei gar keinem Einkommen (dazu weiter unten im Text mehr). Denn dieser Steuerbonus kann dir in den Folgejahren tausende Euro an Steuerzahlung ersparen!

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Abgabepflicht einer Steuererklärung für Studenten

Verpflichtet zur Abgabe einer Steuererklärung sind Studenten mit Studentenjob (weil als Arbeitnehmer geltend) unter anderem in folgenden Fällen:

  • bei Vorliegen anderer Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug, zum Beispiel Kapitalerträgen, Vermietung / Verpachtung, oder Lohnersatzleistungen (Arbeitslosengeld, Krankengeld, Kurzarbeitergeld, Elterngeld, Mutterschaftsgeld, …) von mehr als 410 Euro im Jahr,
  • beim Bezug mehrerer Arbeitslöhne nebeneinander (Lohnsteuerklasse VI),
  • wenn in den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM, früher Lohnsteuerkarte) Freibeträge eingetragen wurden,
  • wenn in speziellen Fällen Sonderzahlungen geleistet wurden, in diesem Fall ist die Lohnsteuerbescheinigung mit einem Kennbuchstaben markiert.

Steuerpflichtige Studenten ohne Arbeitslohn (Selbständige/Freiberufler inbegriffen) sind abgabepflichtig, wenn die Einkünfte (auch Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte) über dem Grundfreibetrag liegen (für 2018: 9.000 Euro; 2017: 8.820 Euro; 2016: 8.652 Euro; 2015: 8.472 Euro).

Freiwillige Abgabe der Steuererklärung

Auch wer als Student nicht verpflichtet sein sollte, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, kann diese freiwillig einreichen, was wir von studentische-versicherungen.de jedem empfehlen – auch wenn gar kein Einkommen erzielt wird. Denn wenn du als Student weniger Einnahmen als Ausgaben hast, entsteht ein steuerlicher Verlust. Und dieser Verlust kann als eine Art Steuerbonus Jahr für Jahr (sogenannter Verlustvortrag) vermerkt werden, der eingelöst wird, sobald das erste Mal Steuern zu zahlen sind.

„Problemlos“ geht das aktuell fürs Zweitstudium, etwa beim Master oder Aufnahme eines weiteren Bachelors, da studienbedingte Ausgaben hier nach aktueller Gesetzeslage Werbungskosten sind. In einem aktuell noch laufenden Verfahren, das jetzt beim Bundesverfassungsgericht liegt, soll geklärt werden, ob nicht auch Ausgaben für das Erststudium Werbungskosten darstellen und nicht nur Sonderausgaben sind (für die keine Verlustfeststellung / kein Verlustvortrag möglich ist).

Wann Studenten Lohnsteuer zahlen müssen

Studenten, die nebenbei oder in den Semesterferien arbeiten, gelten in Sachen Lohnsteuer als normale Arbeitnehmer, sodass der Arbeitslohn dem Lohnsteuerabzug nach den allgemeinen Vorschriften unterliegt. Seit 2013 müssen die Arbeitgeber am elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale-Verfahren (kurz ELStAM, „elektronische Lohnsteuerkarte“) teilnehmen. Arbeitnehmer müssen dem Arbeitgeber nur noch Steuer-Identifikationsnummer und Geburtsdatum mitteilen und ob es sich um ein Haupt- oder Nebenarbeitsverhältnis handelt. Der Arbeitgeber kann mit diesen Angaben alle für den Lohnsteuerabzug notwendigen Daten abrufen. Das gilt auch für Studenten.

Bei der Lohnabrechnung von geringfügig beschäftigten Arbeitnehmern kann der Arbeitgeber entscheiden, ob er die Lohnsteuer anhand der individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmale oder pauschal nach § 40a Absatz 2 EStG berechnet.

In der Steuerklasse I fällt 2018 bis zu einem Jahresarbeitslohn von ca. 12.353 € keine Lohnsteuer an, das entspricht einem Monatslohn von rund 1.029 €.

Abgabetermine der Einkommensteuererklärung

Wer pflichtveranlagt ist, muss die Steuererklärung bis zum 31. Juli des Folgejahres (für 2018 also bis zum 31.07.2019) beim Finanzamt abgeben. Bei Hilfe durch einen Steuerberater verlängert sich die Frist bis zum 28./29. Februar des übernächsten Jahres. Für die Steuererklärung 2018 wäre also der 28./29. Februar 2020 Fristende.

Wer die Steuererklärung freiwillig macht, kann sich damit vier Jahre Zeit lassen. Bis zum 31. Dezember 2017 kann also die Steuererklärung für 2013 abgegeben werden.

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Was Studenten in der Steuererklärung absetzen können

Als Student solltest du möglichst jeden Cent geltend machen, um während des Studiums oder später im Berufsleben mehrere tausend Euro Steuern zu sparen. Die folgende Ausgaben können zum Beispiel von dir in Abzug gebracht werden:

  • Semesterbeiträge
  • Studiengebühren: inklusive Gebühren für Aufnahmetests, Prüfungen, Seminare, etc.
  • Anwalts- und Prozesskosten: Musste man sich ins Studium einklagen, sind bspw. auch diese Kosten von der Steuer absetzbar.
  • Versicherungen zur Gesundheitsvorsorge & Einkommensabsicherung: Kranken-, Haftpflicht– (auch für Tierhalter), Unfall-, Berufsunfähigkeits– oder Rentenversicherung.
  • Arbeitsmittel: Fachbücher, Mitschriften, Fotokopien, Druckerpapier, Fachzeitschriften, Bau- und Bastelmaterialien, Software, Büromaterial, aber auch Büromöbel, zum Beispiel Regale, Schreibtisch und Stuhl (ab 800 Euro netto über die Nutzungsdauer abzuschreiben).
  • Internet- und Telefonkosten, die durch Ausbildung oder Studium entstehen
  • Fahrtkosten: 30 Cent pro Fahrtkilometer (bei Vollzeitstudium nur einfache Strecke = Entfernungspauschale, auch Pendlerpauschale genannt) zur Hochschule / Bibliothek. Kosten für Hin- & Rückfahrt bei privaten Lern- und Arbeitsgemeinschaften.
  • Häusliches Arbeitszimmer: Ein häusliches Arbeitszimmer liegt nur dann vor, wenn dieses durch Wände und Tür(en) von der übrigen Wohnung abgetrennt ist. Zudem können die Kosten für ein Arbeitszimmer nur dann geltend gemacht werden, wenn es mindestens zu 90 Prozent ausschließlich für das Studium oder zu beruflichen Zwecken genutzt wird.
  • Zweitwohnung: Voraussetzung für das Absetzen der Miete für eine Zweitwohnung oder Zimmer am Studienort (doppelte Haushaltsführung) ist, dass der Hauptwohnsitz und Lebensmittelpunkt woanders liegt und dort mindestens zehn Prozent der laufenden Kosten (Miete, Nebenkosten, Lebensmittel etc.) bezahlt werden. Zudem verlangt das Finanzamt weitere Belege, wie beispielsweise eine Meldebescheinigung des Erstwohnsitzes, Bahntickets bzw. Tankquittungen (als Nachweis für regelmäßigen Wochenendbesuche) oder eine Mitgliedschaft in einem Verein. Wöchentlichen Heimfahrten an den Erstwohnsitz, Umzugskosten, Mehraufwendungen für Verpflegung (nur für die ersten drei Monate) und Kosten für Einrichtungsgegenstände (Grundausstattung) können ebenfalls geltend gemacht werden.
  • Computer: Beträgt der private Nutzungsanteil 10 % oder weniger, kann der Computer zu 100 %, bei einem höheren privaten Nutzungsanteil nur um selbigen gekürzt, abgesetzt werden (BFH-Urteil, Aktenzeichen: VI R 135/01). Die Abschreibungsdauer für Desktop-PC, Notebook, Drucker, Monitor und anderes peripheres Zubehör beträgt 3 Jahre. Kostet ein (gebrauchtes) Gerät nicht mehr als 800 Euro plus Mehrwertsteuer und lässt es sich selbstständig nutzen, kann es sofort voll abgesetzt werden.
  • Auslandssemester: Reisekosten, Miete, Verpflegungspauschalen, Auslandskrankenversicherung, Kosten für Sprachtests z.B. TOEFL-Test, Studiengebühren / Semesterbeiträge, …
  • Studienreisen, Exkursionen: Reisekosten, Verpflegungspauschalen, Eintritt, …
  • Repetitorium (Wissenaufbereitung zur Vorbereitung auf Prüfungen)
  • Nachhilfe
  • Sprachkurse
  • Zinsen für ein Ausbildungsdarlehen, Bildungskredit
  • Druck und Binden von Studienarbeiten

Belege sammeln: Für viele Ausgabenposten der Studenten-Steuererklärung gibt es Pauschalen. Das heißt, wenn du die letzten Jahre keine Belege gesammelt hast, bekommst du auf jeden Fall die Pauschale angerechnet. Jedoch raten wir trotzdem unbedingt dazu, alle Ausgabenbelege zu sammeln und aufzubewahren, da dann auch tatsächlich höher entstandene Kosten über den Pauschalen berücksichtigt werden können!

Sonderausgaben oder Werbungskosten?

Generell kommen zwei Arten von Ausgaben für Studenten in Frage: Zum einen die Werbungskosten. Das sind zusammengefasst alle beruflich bedingten Ausgaben, vorweggenommen für die zukünftige Erwerbstätigkeit. Zum anderen gibt es die Sonderausgaben. Anders als Werbungskosten sind Sonderausgaben nur eingeschränkt absetzbar, es gilt ein Höchstbetrag von 6.000 Euro.
Was noch viel wichtiger ist: Sonderausgaben können nur für das Jahr ihres Entstehens geltend gemacht werden und da Studenten in der Regel keine oder nur geringe Einkünfte haben, profitieren sie selten von einer (vollen) Steuerminderung. Werbungskosten können hingegen unbegrenzt in die nächsten Jahre übertragen werden (sogenannter Verlustvortrag / Verlustfeststellung). Wenn dann nach dem Studium eine Berufstätigkeit aufgenommen wird, es muss ein sachlicher Zusammenhang zwischen der Ausbildung und der späteren Berufstätigkeit bestehen, werden die vorweggenommenen Werbungskosten steuermindernd verrechnet.

Die Sache hat nur einen Haken: Die Aufwendungen für das Studium sind zwar letztlich alle mehr oder weniger beruflich bedingt. Als Werbungskosten können aber nur Ausgaben für ein duales Studium, ein Zweitstudium (auch der Master zählt als solches), eine Fort- oder Weiterbildung geltend gemacht werden. Kosten für das Erststudium sind nach aktueller Rechtslage Sonderausgaben.
Studenten müssen aber nicht zwangsläufig bereits ein erstes (Bachelor-)Studium in der Tasche haben, wenn sie den Werbungskostenabzug nutzen wollen. Es reicht, wenn eine mindestens zwölfmonatige Ausbildung mit einer Prüfung abgeschlossen wurde.

Wichtig: Auch wenn du als Student eine eigene Steuererklärung abgibst, können deine Eltern in ihrer Steuererklärung weiter den Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro ansetzen, wenn sie dich während deines Studiums finanziell unterstützen. Die Voraussetzungen dafür:

  • Du musst mindestens 18 Jahre alt sein
  • Du befindest dich in einer Ausbildung (Studium)
  • Du darfst nicht im elterlichen Haushalt leben
  • Deine Eltern haben für dich Anspruch auf Kindergeld

Ebenfalls unberührt bleibt ihr Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag.

BFH hält derzeitige Regelung für verfassungswidrig

Nach Auffassung des Bundesfinanzhofes (BFH) muss sich der Staat auch an den Kosten einer Erstausbildung (erste Berufsausbildung oder Studium) beteiligen und die Aufwendungen als Werbungskosten zulassen. Gesetzlich ist das bisher allerdings ausgeschlossen (§ 9 Abs. 6 EStG). Der BFH hält die Regelung im Einkommenssteuergesetz für verfassungswidrig und hat sie dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt (BFH, Beschluss vom 17.07.2014, Az. VI R 8/12, Az. VI R 2/12).

Das bedeutet: Wer seinen Steuerbescheid schon bekommen hat, sollte mit Berufung auf die Einschätzung des BFH Einspruch einlegen. Das geht nur innerhalb von vier Wochen! In künftigen Steuererklärungen sollten die Studienkosten immer als Werbungskosten mit der Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht zu Gunsten der Studenten urteilen wird, angegeben werden. Gegen einen zu erwartenden ablehnenden Steuerbescheid muss dann – mit Verweis auf den Streitfall – Einspruch eingelegt werden. Das Finanzamt akzeptiert dann entweder die Werbungskosten oder erklärt den Steuerbescheid als vorläufig. Sobald das BVerfG sein Urteil fällt, wird der Steuerbescheid dann gegebenenfalls neu erlassen.

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Mehr Infos:

http://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&nr=30693

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Die in diesem Artikel enthaltenen Infos stellen keine steuerliche Beratung oder Empfehlung dar. studentische-versicherungen.de übernimmt keine Gewähr und keine Haftung für deren Richtigkeit und Vollständigkeit.

4 Kommentare zu “Steuererklärung als Student”
  1. Richardam 25.04.2017 um 19:57

    „Als Werbungskosten können aber nur Ausgaben für ein duales Studium, ein Zweitstudium (auch der Master zählt als solches), eine Fort- oder Weiterbildung geltend gemacht werden.“ Das stimmt so nicht – das Masterstudium ist in den allermeisten Fällen wohl ein Erststudium.

  2. adminam 25.04.2017 um 23:14

    Das ist nicht korrekt. Auch ein Master-Studium gilt als zweites Studium, denn die Finanzämter erkennen den vorausgehenden Bachelor als erste abgeschlossene Berufsausbildung an. Daher können die Ausbildungskosten direkt als Werbungskosten berücksichtigt werden. Das ganze wird seit 2015 in § 9 Abs. 6 EStG klargestellt.

  3. Michaelam 31.07.2017 um 15:59

    Wie sieht die Gesetzeslage heute aus? Kann man mittlerweile Werbungskosten auch im Erststudium absetzen?

  4. adminam 31.07.2017 um 18:38

    Hallo Michael, leider nein, außer es ist eine Erstausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses (duales Studium, Referendariat oder Berufsausbildungsverhältnis gemäß § 1 Abs. 3, §§ 4-52 Berufsbildungsgesetz). Wir empfehlen aber trotzdem, die Kosten erstmal in der Steuererklärung als Werbungskosten anzugeben. Sollte das Finanzamt dann antworten, dass dies nicht geht, Einspruch mit Verweis auf die anhängigen Verfahren beim BVerfG (Aktenzeichen 2 BvL 22-27/14) einlegen. Wenn das Bundesverfassungsgericht später dem BFH in seiner Auffassung folgt, werden die Kosten im Nachhinein anerkannt.

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